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Herbstbesuch 2022 im Dogpark Lugoj in Rumänien

Vom 28.09. bis 06.10.2022 durfte ich (Stöffi, Animaris Mitglied und Unterstützer) wieder einmal ganz «normal» nach Lugoj reisen. Eigentlich möchte ich 2mal pro Jahr zu meinen vier- und zweibeinigen Freunden fahren und dort im Dogpark mithelfen. In der Pandemie war das nicht möglich. Nach zweijähriger Pause war ich im November 2021 letztmals in Lugoj unter erheblichen staatlich verordneten Reise- und Aufenthaltsrestriktionen.


Kaum angekommen, war das erste Ziel der Dogpark und seine Bewohner. Unbeschreiblich, mit welch ausgelassener und überschwänglicher Freude mich meine teils langjährigen vierbeinigen Freunde dort begrüssen. Einfach rührend. So etwas kenne ich wirklich nur von Hunden.

Wie sieht es jetzt im Dogpark nach fast einem Jahr Abwesenheit aus? Ich stelle fest: es gibt etwa 70 Hunde, davon eine grosse Anzahl von Welpen und Junghunden. Es gibt neue geräumige Zwinger um die vielen Tiere auch artgerecht und sicher unterbringen zu können.


Die Anlage macht einen sehr gepflegten Eindruck. Nirgendwo Unrat, herumliegende Werkzeuge oder Material. Die Hunde sind gesund, sehen gepflegt aus, sind lebhaft und leben in gut eingespielten Rudelstrukturen. In der Anlage finde ich weder Durchfallhäufchen noch irgendwelche Parasiten. Szenekenner wissen, dass das nur mit viel Aufwand, Liebe, Ausdauer, Durchhaltewillen und mit genügend finanziellen Ressourcen zu erreichen ist.


Verantwortlich für den Dogpark und dessen Besitzer ist der Schweizer Tierschützer, Hundeliebhaber und Kunstmaler Otto Forster. Nach langjähriger beruflicher Tätigkeit in Lugoj hat er mit seinem äusserst wertvollen Netzwerk vor Ort den Dogpark Lugoj aufgebaut. Otto ist auch der Mann am Telefon, wenn irgendwo mal wieder ein Notfall ist, erreichbar 365/7/24. Man kennt ihn in Lugoj.




Ihm steht seit mittlerweile 1 1/2 Jahren der enorm tierliebende und selbstlos engagierte Mitarbeitende Florin Figo zur Seite. Florin hat viele Jahre als Trucker in Irland gearbeitet und ist vor zwei Jahren zu seiner Familie und den geliebten Hunden zurückgekehrt. Ich erlebe während meinem Aufenthalt, wie hingebungsvoll er seine Schützlinge betreut, liebt und verwöhnt.


Das Betriebskonzept des Dogparks unterscheidet sich markant von andern bestehenden Hundeauffangstationen, welche in der Regel Hallen- oder Zwingerbauten aufwiesen mit flächenmässig eingeschränktem Platzangebot für die Tiere. Daraus resultiert Lärm, Gebell, und sozialer Stress. Im Dogpark leben die Hunde mit sehr viel Fläche in Grossgruppen. Sie können so Rudel- und Hierarchiestrukturen aufbauen. Augenscheinlich greift das Konzept und wird unterdessen auch von anderen Organisationen so angewendet. Zum Wohl der Hunde.


Wer am frühen Morgen zuerst im Dogpark ankommt macht einen Kontrollrundgang. Ist alles in Ordnung beginnt die Grundversorgung. Diese beinhaltet die Reinigung der Gehege, das Wechseln des Trinkwassers und das Füttern der Hunde. Das Trinkwasser stammt aus der eigenen Quelle und wird aus dem Brunnen im Boden in diverse Vorratszisternen gepumpt. Die Reinigung und das Füttern werden meist zweimal täglich gemacht.


Anschliessend gilt es vielerlei Arbeiten zu verrichten. Reparatur- und Instandhaltungsarbeiten, Rasen mähen, etc. Begleitend fordern die Hunde immer wieder Aufmerksamkeit und Streicheleinheiten ein. Man gewährt sie ihnen sehr gerne. Interessanterweise gibt es auch beim Knuddeln kaum Stress. Jeder Hund weiss genau, wann sein «Zeitfenster» ist. Einen wichtigen Teil des Tages nimmt das spielerische Arbeiten mit den Hunden ein. Sie sollen lernen mit Menschen zusammen zu sein und sich ihnen gegenüber und untereinander adäquat zu verhalten.


Fast täglich stehen Tierarztfahrten an. Impfungen, Kastrationen, die Versorgung kleinerer Blessuren sind die Gründe. Hauptsächlich betreuender Tierarzt ist unser guter Freund Dr. Maris Ragobete und sein Assistent Dr. Marian Bisac. Für bildgebende Diagnostik und kompliziertere Versorgungen hilft die Clinica Veterinara von Dr. Csaba Daroczi in der Nähe von Timisoara.


Auch ich begleite in meiner Woche fast täglich Tierarztbesuche. Zwei Neuzugänge der letzten Woche müssen kastriert werden, ein Neuzugang muss geimpft und gechippt werden. Ich darf bei Marius dabei sein, wenn er die heute terminierten zwei Weibchen kastriert und damit definitiv den Kreislauf der unkontrollierten Vermehrung unterbricht. Natürlich hoffe ich für die beiden quirligen Teenies, dass sie bald in ihre eigenen Familien vermittelt werden und ein schönes Leben haben. So wie meine beiden eigenen Hunde. So wie die drei Hunde, die vor zwei Tagen mit dem Transport ausreisen durften.


Unschöne Überraschung am Dienstagmorgen. In der Nacht wurde beim Dogpark ein kleiner Hund ausgesetzt. Beim Eintreffen im Dogpark bemerken wir, dass da bei den Gehegen ein kleiner Hund streunt. Vorerst ergreift er jedoch die Flucht. Offensichtlich wurde der kleine Kerl gezielt bei den Gehegen des Dogparks ausgesetzt und sucht jetzt die Nähe der Hunde bzw. ihn lockt der Geruch des Futters an. Die Suche beginnt.


Bald bemerke ich, dass auf der anderen Seite der Gehege mehrere Hunde gegen aussen bellen. Ich denke es sei wegen Otto, der gerade einen der täglichen Spaziergänge mit einem separat lebenden Hund macht. Aber die Hunde bellen weiter. Ich stelle mich zu ihnen und suche das Feld ab, das mit meterhohen Pflanzen überwuchert ist. Ich finde nichts. Da höre ich unmittelbar vor mir eine Hundestimme die ich nicht kenne. Ich schaue nach unten. Direkt vor mir, direkt vor meinen Füssen auf der anderen Seite des Gitters sitzt der kleine Racker. Welche Freude, mein Versuch ihn durch das Gitter anzufassen gelingt.


Ich rufe Otto, er soll sich von der anderen Seite nähern. Zuerst will der Kleine sich verdrücken. Aber die berühmten «Krenwürstchen» von Otto wirken Wunder. Er kann ihn greifen und aufheben. Beim Hinterausgang übernehme ich den Kleinen. Er präsentiert sich sofort als ultimative Schmuse-und Knutschkugel. Er liebt Menschen, auch wenn sie ihm gerade Schreckliches angetan haben.


Der etwa zweijährige Rüde kommt erstmal in ein eben neu erstelltes Reservegehege. Wir versorgen ihn mit Futter und Wasser. Als Gesellschaft bekommt er einen etwa 4-monatigen Welpen. Eine Helferin aus der Schweiz hat das Mädchen eine Woche zuvor auf der Strasse aufgegabelt, ebenfalls ausgesetzt. Alltag in Rumänien …


Später bei Dr. Marius muss für Pass und Administration plötzlich ein Name für den Kleinen her. Ich nenne ihn Spiky und ja, er ist mir bereits ans Herz gewachsen. Damit ist aber noch nicht alles getan. Für die Nacht muss in das neue Gehege eine Hütte zum Schutz vor Kälte und Nässe organisiert werden. Florin ist handwerklich sehr begabt. Er improvisiert mit einer Transportbox.


Hundehütten sind ein Thema im Dogpark. Viele der Hütten sind in die Jahre gekommen, verrotten langsam oder werden von den Hunden zerlegt. Eine Firma in der Nähe, sie stellt Wohncontainer für Menschen her, produziert aus dem gleichen hervorragenden Material auch Hundehütten. Sie sind praktisch unzerstörbar durch die Hunde und der Preis stimmt auch.


Ich kontaktiere meine Frau in der Schweiz und renne offene Türen ein. Wir entschliessen uns kurzfristig eine Anzahl Hütten für den Dogpark herstellen zu lassen Sie sollen den dringendsten Ersatz gewährleisten. Mit Otto fahre ich hin. 2 Stück sind sogar sofort lieferbar. Damit ist auch die nächste Nacht für Spiky und seine Gefährtin gesichert.


Eine Woche vergeht wie im Flug. Ich fühle mich voll integriert in den Abläufen und geniesse das Zusammensein mit den Hunden und mit meinen Freunden. Es ergeben sich spannende Gespräche mit vielen Menschen die in Lugoj leben. Mit dem Garagisten Sorin, dem Physikprofessor Peter, dem Schuldirektor Marcel und weiteren Personen. Mit Otto, mit Florin und Marius. Ich bin kein Neuling hier und Lugoj ist mit den Jahren fast so etwas wie eine zweite Heimat geworden.


Um so härter, wenn der Tag X kommt und ich wieder den Weg zum Flughafen unter die Räder nehmen muss.


Dog Park Lugoj, Freunde, Hunde... I'll be back soon! ... Voi reveni curând


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